Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, liebe Sangesfreunde und liebe Vereinsmitglieder!

2009 feiern wir 167 Jahre Chorgesang in Windecken.

Erfreulicherweise gibt es über den Chorgesang eine Fülle von Daten und Aufzeichnungen. Nachfolgend wollen wir Ihnen eine stichwortartige Betrachtung über die Entstehung und Entwicklung des Chorgesangs in Windecken geben.

Der Chorgesang in Windecken kann auf eine traditionsreiche Sängergeschichte zurück blicken. Vor 166 Jahren gab es in Windecken Menschen, die eine Möglichkeit zur sinnvollen Freizeitgestaltung suchten und im Gesang fanden.

Der erste Windecker Gesangverein, dessen Namen uns leider nicht bekannt ist, wird im Zusammenhang mit dem 4. Wetterauer Sängerfest in Friedberg erwähnt. Mit 31 Sängern nahm dieser Verein an dem größten Sängertreffen jener Zeit teil.

Allein die Tatsache, dass es damals noch keine öffentlichen Verkehrsmittel gab:

-- der erste durchgehende Zug zwischen Hanau und Friedberg verkehrte, am 15. Oktober 1881 --, dass lässt erkennen, mit welchem Idealismus die aktive Tätigkeit in einem Gesangverein verbunden war.

1861 wurde der „Männergesangverein Concordia“ im Hause des Stadtschreibers Jean Zimmermann, in Windecken, gegründet. 40 Männer und „Jünglinge“ haben am 01. Juli 1861 die Gründungsurkunde unterzeichnet.

Von kirchlich gesinnten Einwohnern Windeckens wurde 1863 der heute noch bestehende evangelische Kirchenchor gegründet.

Am 16. Juli 1876 gründeten 22 Windecker Bürger mit dem „MGV Liederkranz“ einen weiteren Gesangverein.

Die politische Entwicklung in den Jahren nach der Jahrhundertwende und die damit verbundene immer stärkere Betonung der Klassengegensätze hatten auch auf gesanglichem Gebiet Umwälzungen zur Folge.

Am 24. Juli 1909 gründeten 45 Windecker Bürger den Arbeitergesangverein

„Freie Sängervereinigung“.


In der Folgezeit wurde die „Freie Sängervereinigung“ der an Stärkezahl stärkste Verein in Windecken. Die „Concordia „ hatte 50, der „Liederkranz“ 50, der „Kirchenchor“ 35 und die „Freie Sängervereinigung“ 75 Sänger.

Windecken zählte; 1909, bei einer Einwohnerzahl von 1.700 über 200 aktive Sänger, da kann man nur neidvoll zurückblicken.

Eine jähe Unterbrechung erfuhr das Windecker Gesangsleben durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges. Nach dem Krieg sammelte sich nur zögernd die Sängerschar.

Von den Gesangvereinen wurden an den Feiertagen Konzerte gegeben. Die bekanntesten alle aufzuzählen, würde den Rahmen hier sprengen. Erwähnenswert ist sicher, dass die „Freie Sängervereinigung“ 1923 einen Frauenchor gegründet hat. Das bedeutet, dass unser Frauenchor, der nun bereits wieder seit über 30 Jahren aktiv ist, schon auf eine Gründungstradition von 85 Jahren zurückblicken kann.

Die „Freie Sängervereinigung“ wurde 1923 in „Volkschor“ umbenannt.

1933 verfügte das nationalistische Regime die Auflösung des „Volkschores“. Der Dirigent Heinz Ruth wechselte mit einer Vielzahl der Sänger zum „MGV Liederkranz“

Der 2. Weltkrieg unterbrach das gesangliche Leben in unserem sangesfreudigen Städtchen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der „Volkschor 1945“ neu gegründet. Er wurde aber schon ein Jahr später in „Chorgemeinschaft Windecken“ umbenannt. Dirigent war Heinz Ruth. Das 1. Chorkonzert nach dem Krieg fand am 23. Dezember 1945 statt.

Mit der Generalversammlung am 22. Oktober 1950 startete der „MGV Concordia“ einen Neubeginn

1956 haben 16 junge Männer aus dem Chor der „Chorgemeinschaft Windecken“ den „Kleinen Chor“ gegründet, der mit seinen Schlager- und Operettenliedern weit über Windecken bekannt wurde.

1961 feierte der „MGV Concordia“, sein 100 jähriges Bestehen, verbunden mit dem Kreissängerfest des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes „DAS“. Mit der Überreichung der „Zelterplakette“ wurde der Verein für seine hervorgehobenen Leistungen für den Chorgesang geehrt.

Am 24. Januar 1969 fand in der „Kurt Schumacher Schule“ eine für das Windecker Gesangsleben bedeutsame Sitzung statt. Die stark dezimierten Vereine „Chorgemeinschaft Windecken 1945 e.V.“ und der „MGV Concordia“ schlossen sich ab 1970 zur „Sängervereinigung Nidderau-Windecken e.V.“ zusammen.

1973 wurde wieder ein Kinderchor gegründet. Wieder denn von 1947 bis 1954 bestand schon einmal ein Kinderchor. Leider besteht der Kinderchor nicht mehr. Mangels Teilnehmer mussten die Singstunden eingestellt werden.

Im Nov. 1977 konnte mit der Verpflichtung von Nico Sendlbeck als Dirigent unser jetziger „Frauenchor“ gegründet werden.

1983 feierte die „Sängervereinigung Nidderau-Windecken“ 140 Jahre Chorgesang in Windecken verbunden mit dem Kreissängerfest.

1985 wurde mit der Gründung der „NIDDER-BÜHNE“, der Theatergruppe der Sängervereinigung ein weiterer kultureller Akzent gesetzt. In der Zwischenzeit haben die Theaterspieler 18 Premieren auf die Bühne gebracht. Unsere Theaterleute sind es, die mit ihren regelmäßigen Auftritten in Gehren (Thüringen) Kontakt zu unserer Partnerstadt halten.

Der Wunsch der "NIDDER-BÜHNE" nach Eigenständigkeit führte 2008 zur Trennung von der Sängervereinigung und der Gründung eines eigenen Vereins.

1992 erhält die Sängervereinigung für ihre Verdienste um den Chorgesang die Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten.

1993 hat die Sängervereinigung wesentlich an der Gründung des „Nidderauer Jugendchores“ mitgewirkt und war einer der drei Patenvereine. 2003 hat sich der Jugendchor verselbständigt und heißt jetzt: „SATuB“ (Sopran, Alt, Tenor und Bass). Seit 2007 ist das Gesangsensemble „SATuB“ ein wichtiger Teil der Sängervereinigung. Somit feiern wir heute auch das 16 jährige Bestehen dieser Chorgruppe.

1997 konnte eine großartige Sache in Gang gesetzt werden. Die Sängervereinigung begann mit dem Bau ihres Vereinsheimes. Seit Oktober 2001 finden nahezu alle Übungsstunden im eigenen Vereinsheim statt. Selbst die Windecker Vereinsgemeinschaft war schon mehrfach mit ihren Sitzungen zu Gast.

Am 12. September 2001 war es soweit und unser „Junger Chor“ der sich „NIDDERWIND“ nennt, konnte seinen Chorbetrieb aufnehmen.

25 Sängerinnen und Sänger widmeten sich der moderneren Chormusik.

Eine weitere Besonderheit konnte im Zusammenhang mit dem „NidderWind“ ins Leben gerufen werden: Während die Eltern in der Chorprobe waren, wurden ihre Kinder von Sängerinnen des Frauenchores betreut. Diese selbstlose Bereitschaft, mit einigen Hundert Betreuungsstunden, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Den Frauen von hier aus vielen Dank. Trotzdem konnte sich unser „NidderWind“ nicht auf dem erreichten Niveau halten und hat sich 2008 aufgrund einer zu geringen Zahl an Sängerinnen und Sängern aufgelöst.

Nidderau, 11.05.2009

(im Orignal verfasst von K.-H. Fuß, weitergeführt von R. Leibold)

Seit der Gründung der Sängervereinigung haben folgende Männer den Verein als Vorsitzender geleitet:

  • Karl Strempel 1970-1971
  • Ludwig Bauer 1971-1985
  • Walter Reul 1985-1992
  • Klaus Muth 1992-1993
  • Karl-Heinz Fuß 1993-2003
  • Gerhard Kohlenberger 2003-2007
  • Günter Simon 2007-2008
  • Rudi Leibold ab 2008

2009 wagten wir den Versuch mit einem Projektchor, neue aktive Mitglieder für die Chorgruppen zu werben. Mit dem mutigen Slogan "Chor der 100 Stimmen" wurden Flyer verteilt und es funktionierte. Schließlich nahmen 110 Sänger(innen) begleitet vom Kammerorchester Seligenstadt an dem Projekt teil und präsentierten Anfang Dezember mit unserem neuen Dirigenten Thomas Kiersch die Kantate "Die Weihnacht" von Arthur Pichler in der Windecker Stiftskirche.

Auch unsere Ziel, neue Aktive für unsere Chrogruppen zu begeistern, ist aufgegangen.

Am 03.Juni 2010 begannen wir mit einem neuen Zukunftsprojekt. Unsere
Einladung zu einem (Projekt)-Kinderchor fand großen Zuspruch. Deshalb wurde
daraus bereits im Herbst 2010 eine Dauereinrichtung. Inzwischen sind über
40 Kinder jeden Donnerstag begeistert bei der Sache. Der Kinderchor begeistert
inzwischen die Zuhörer unter dem Namen "BUNTE TÖNE".
Unser besonderer Dank gilt den Leiterinnen des Kinderchores
Melanie Laubmeier und Rebecca Hild.

2012 starteten wir mit Missa Brevis ein neues Chorprojekt. Zusammen mit
dem Sängerkranz Nidda brachten wir über 130 Sänger(innen) auf die Bühne.
Hinzu kamen über 30 Musiker des Blasorchesters Nidderau (BON).
Am 1. und 2. Dezember 2012 wurde das Ergebnis einem begeisterten Publikum
in den Kirchen in Windecken und Nidda präsentiert.

Am 19. September 2013 werden wir mit dem Musical zur Weihnachtsgeschichte
"Am Himmel geht ein Fenster auf" von Jörg Ehni und Uli Führe einen
Jugend-Projektchor starten. Das Musical wird am 30.November 2013 in der
Stiftskirche Windecken aufgeführt. Unser Ziel ist es, aus diesem Projektchor
einen ständigen Jugendchor zu entwickeln.

Nidderau, 26.August 2013